Kirche & Kunst: Kirche aus Kindersicht

Weil ihnen ihre eigene Tauf­schale nicht gefiel, haben Kinder der Evan­gelischen Thomas-Gemeinde kurzerhand aus Ton eine neue gestaltet. Ihre Ideen setz­ten sie in einem Kirchen-Kunstprojekt des Landesverbandes Evangelischer Tagesein­richtungen um. Über 300 Kinder aus Bre­men und umzu nahmen teil. Ergebnisse wa­ren in der Friedensgemeinde ausgestellt.

 

Birte Leemhuis, die bei der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) für den Be­reich „Kirche mit Kindern' zuständig ist, hatte Kindergruppen aufgefordert, sich kreativ mit Kirchenräumen auseinanderzu­setzen. Sie arbeiteten weitestgehend selbst­ständig an ihren Projekten. Der Kindergar­ten der Christuskirche in Woltmershausen näherte sich der Kirche in kleinen Schrit­ten. Zunächst wagten die Kinder nur einen Blick durch das Schlüsselloch und setzten um, was sie sahen. Dann wurden die Blick­winkel immer größer.

 

Die Kinder der Thomas-Gemeinde leg­ten ein Tuch über die Taufschale und fertig­ten einen Abguss in Ton an, den sie dann mit Mosaiken bunt gestalteten. Die eigent­lich Tauf schale war ihnen nicht bunt ge­nug. Ihre neue Kreation soll bei einer Frei­ lufttaufe im Sommer tatsächlich zum Ein­satz kommen.Arster Kinder haben auf ei­nem Kinderkirchenfest ein Segenstor gefer­tigt und ebenfalls mit Mosaiken und Stei­nen verziert. Sehr aufwendige Arbeiten prä­sentierten die Trinitatisgemeinde und eine Kooperation mehrerer Gemeinden aus Bre­men-Nord. In der Trinitatisgemeinde arbei­teten Kinder von drei bis zwölf Jahre an ei­nem sehr farbenfrohen Kunstwerk aus meh­reren Teilen von Mosaiken, Fotos und Ge­mälden. „Farben sind das Kleid Gottes" war ihre Devise. Die Kinder aus Bremen- Nord bauten ihre Traumkirche aus Papp­kartons, bei der das ausklappbare Dach ei­nen Blick ins Innere bot. Das ähnelte einem Partyraum.



Björn Jentsch, Sabrina Lisch, Birte Leemhuis

Neben der Auseinandersetzung mit Kir­chenräumen waren Initiatorin Birte Leem­huis und ihren Kollegen Pastor Rolf Sän­ger-Diestelmeier und Sabrina Lisch sowie dem Kirchenmusiker der Jugendkirche, Bj örn Jentsch, vor allem auch Interreligiosi­tät und Interkulturalität wichtig. „Die Kin­dergärten werden nicht nur von evangeli­schen Kindern besucht. Manche gehören anderen Religionen an und andere gar kei­nen", sagte Birte Leemhuis. Dennoch ha­ben sich alle zu dem Thema ihre Gedanken gemacht.

 

Zur Eröffnung der Ausstellung kamen sechs Kitagruppen in die Friedenskirche. Dort erwarteten sie Leemhuis' Organisati­onsteam, der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche, Renke Brahms, und der Leiter des Landesamtes für Denkmal­pflege, Georg Skalecki. In einem kurzen In­terview sollten die Erwachsenen ihre Lieb­lingsorte in der Kirche beschreiben und an­schließend malen. Drei Minuteh hatten sie dafür Zeit. Renke Brahms malte das Pfingst­fenster der Liebfrauenkirche und Georg Skalecki die Ostkrypta des Dorns. Wäh­renddessen sang ein Kinderchor.

 

„Wie es sich für eine Vernissage gehört, gab es dann für die Kinder auch einen Cocktail", erzählte Birte Leemhuis, Natür­lich alkoholfrei. „Viele Kinder kommen aus einem Milieu, in dem sie eher keine Kunst­ausstellungen besuchen." Am zweiten Aus­stellungstag waren Schulkinder zu Gast. Danach kehrten die Kunstwerke in die Gruppen zurück, um in der Kita, der Schule oder der Gemeinde ausgestellt zu werden. Das Kunstprojekt ist damit abgeschlossen. Birte Leemhuis hat aber bereits Ideen im Kopf, es auf weitere Personenkreis in ähnli­cher Form auszuweiten.

 

Text: Liane Janz, Weserkurier vom 6.6.2011

Fotos: Walter Gerbracht